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CPPD-Podcastfolge ERINNERUNGSFUTUR: lolanda Évora im Gespräch mit Ibou Diop

DialoguePerspectives

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In der CPPD-Podcastfolge ERINNERUNGSFUTUR sprechen Iolanda Évora und Ibou Diop über koloniale Kontinuitäten, Erinnerungskultur, gesellschaftliche Teilhabe und Machtverhältnisse. Ausgehend von Portugal und Deutschland diskutieren sie Erinnerung als politische Praxis und die Frage, wie marginalisierte Perspektiven neue Narrative und demokratische Zukünfte eröffnen können.

Bei der Folge handelt es sich um eine Aufzeichnung von Ausschnitten des Podiumsgesprächs „After the Carnations – Cycles of Decolonisation and Democratic Futures“, moderiert von Cátia Severino, das am 24. April 2026 in der Biblioteca de Alcântara – José Dias Coelho in Lissabon als Teil des CPPD-Festivals „Voices Rising: Memory Unsilenced“ stattgefunden hat. Das Panel fand auf Portugiesisch und Deutsch statt. Im Transkript sind die jeweiligen Übersetzungen nachzulesen.

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Bei ERINNERUNGSFUTUR berichten Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen über ihre Arbeiten zu und Perspektiven auf Erinnerungskulturen in Deutschland und Europa. Die Reihe ist Teil des Podcasts der DialoguePerspectives e.V.

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Sprecher*innen: lolanda Évora, Ibou Diop | Editorial team: Hannah Blumas, Nihal Çalışır; Audio-Edit: Gal Yaron Mayersohn; Film Glitch by Snowflake ©2017 Licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial (3.0) license; Illustration: Rosa Viktoria Ahlers; Kurator*innen: Jo Frank, Johanna Korneli, Max Czollek | © 2026 DialoguePerspectives e.V. | http://www.cppdnetwork.com 

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No episódio ERINNERUNGSFUTUR do podcast da CPPD, Iolanda Évora e Ibou Diop conversam sobre continuidades coloniais, culturas da memória, participação social e relações de poder. Partindo de Portugal e da Alemanha, discutem a memória como prática política e a questão de como perspectivas marginalizadas podem abrir novos imaginários e futuros democráticos.

Este episódio consiste numa gravação de excertos da mesa-redonda “After the Carnations – Cycles of Decolonisation and Democratic Futures”, moderada por Cátia Severino, que teve lugar no dia 24 de abril de 2026, na Biblioteca de Alcântara – José Dias Coelho, em Lisboa, como parte do festival da CPPD “Voices Rising: Memory Unsilenced”. O painel decorreu em português e alemão. As respetivas traduções podem ser consultadas na transcrição.

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Em ERINNERUNGSFUTUR, cientistas, artistas, jornalistas e ativistas apresentam os seus trabalhos e perspetivas sobre culturas da memória na Alemanha e na Europa. A série faz parte do podcast da DialoguePerspectives e.V.

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Oradores/as: Iolanda Évora, Ibou Diop | Equipa editorial: Hannah Blumas, Nihal Çalışır | Edição de áudio: Gal Yaron Mayersohn | Film Glitch by Snowflake ©2017 Licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial (3.0) license | Ilustração: Rosa Viktoria Ahlers | Curadores/as: Jo Frank, Johanna Korneli, Max Czollek | © 2026 DialoguePerspectives e.V. | http://www.cppdnetwork.com

Coalition of Pluralistic Public Discourse

CPPD 2º Festival Voices Rising: Memory Unsilenced

“After the Carnations – Cycles of Decolonisation and Democratic Futures”

Speaker and panelist: Ibou Diop

Praxis des Erinnerns im postkolonialen Zeitalter

Wie können wir an etwas erinnern, das nicht in der Mentalitätsgeschichte der Mehrheitsgesellschaft vorhanden ist? Diese Frage steht im Zentrum jeder Auseinandersetzung mit Erinnerung im postkolonialen Zeitalter. Denn Erinnerungen sind nicht einfach vorhanden. Sie bleiben, sie verschwinden, sie werden anerkannt oder verdrängt. Sie setzen sich durch oder werden zum Schweigen gebracht.

Erinnerungen sind das, was bleibt, wenn die Gegenwart vorüber ist, wenn die Situationen, aus denen sie hervorgegangen sind, längst vergangen scheinen. Und weil wir in einer Gesellschaft nicht eine, sondern viele Erinnerungen haben, ist das, was offiziell erinnert wird, niemals neutral. Es ist Ergebnis gesellschaftlicher Aushandlungen und Ausdruck von Machtverhältnissen. Erinnerung verweist immer auch auf Selbstbilder, auf Wünsche und Sehnsüchte, auf Vorstellungen davon, wer „wir“ waren und wer „wir“ sein wollen.

Die Erinnerungen einer Gesellschaft sind daher nicht unschuldig. Sie sind Konstruktionen, sie spiegeln Hierarchien wider, und sie sind nicht einfach plural. Vielmehr bringen sie jene Perspektiven hervor, die sich historisch durchsetzen konnten, während andere marginalisiert oder ausgelöscht wurden. Das erklärt, warum Erinnerungspolitik über lange Zeit hinweg zahlreiche Perspektiven ausgeschlossen hat, obwohl diese Perspektiven Teil der Gesellschaft waren und es bis heute sind.

Heute geht es nicht darum, diese Vergangenheit nachträglich moralisch zu bewerten. Entscheidend ist vielmehr, dass wir als die Gesellschaft, die wir heute sind, kritisch auf diese Erinnerungspolitiken blicken und daraus ableiten, welche Zukunft wir entwerfen wollen und in welchen Welten wir künftig leben möchten. Es geht darum, die Geschichte selbst anders zu lesen. Eine Lesart zu entwickeln, die die Geschichte der Vernichtung anderer Kulturen und Gesellschaften nicht ausblendet, sondern als integralen Bestandteil der Geschichte zu begreifen.

Diese Vernichtung kulminierte in Europa in der Shoah und in der Ermordung politischer Gegner sowie weiterer verfolgter Gruppen durch den Nationalsozialismus. Doch sie hatte Vorläufer. Sie begann nicht erst 1933. Ihre Vorformen liegen im Umgang mit armen und behinderten Menschen, mit Jüdinnen und Juden, mit queeren Menschen und nicht zuletzt in den Kolonialverbrechen, die auch Deutschland begangen hat. Ein Erinnern des Kolonialismus muss deshalb diese menschenfeindlichen Denktraditionen befragen, nicht nur historisch, sondern ausdrücklich in ihrer Relevanz für die Gegenwart.

Das Erinnerungskonzept zur kolonialen Geschichte Berlins setzt genau hier an. Es begreift Kolonialismus nicht als Randthema und nicht als kurze Episode, sondern als strukturprägenden Bestandteil deutscher Geschichte. Dass deutsche Kolonialgeschichte Teil deutscher Geschichte ist, klingt zunächst selbstverständlich. Dennoch wurde sie über Jahrzehnte hinweg als weniger zentral wahrgenommen. Dabei ist sie eng mit Völkermord verbunden und hat tiefe Spuren in der Mentalitätsgeschichte hinterlassen. Spuren, die bis heute sichtbar sind: in Straßennamen, in musealen Sammlungen, in Schulcurricula und in gesellschaftlichen Bildern von Welten.

Europa hat als Kolonialmacht Afrika balkanisiert. Willkürlich gezogene Grenzen trennten Gesellschaften und Sprachräume, schufen neue politische Ordnungen und zerstörten bestehende soziale Gefüge. Dieses System kolonialer Herrschaft vertiefte Konflikte, verstärkte Traumata und wirkt bis heute fort. Viele aktuelle Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent lassen sich ohne diese koloniale Geschichte nicht verstehen. Die Wunden der Kolonialzeit zu überwinden bedeutet daher nicht, sie zu schließen oder zu beruhigen, sondern die globalen Verflechtungen sichtbar zu machen, in denen ehemals kolonisierte Gesellschaften bis heute  Berlin nimmt in dieser Geschichte eine besondere Rolle ein. Da dort, zwischen 1884 und 1885, Afrika von europäischen Mächten untereinander aufgeteilt wurde. Dieser Ordnung gingen Versklavung, Ausbeutung und die Zerstörung ganzer Lebenswelten voraus. Legitimiert wurde sie durch rassistische Ideologien, die sich als Wissenschaft ausgaben und Menschen hierarchisierten. Diese Geschichtsschreibung wirkt bis heute fort. Wir leben noch immer in einer Welt, in der Schwarze Menschen und Schwarze Körper systematisch abgewertet werden, mit ganz konkreten Folgen für den Alltag Schwarzer und BIPOC‑Menschen – auch und gerade in Eu

Das Berliner Erinnerungskonzept schlägt deshalb vor, die Geschichte der Stadt neu zu lesen. Es geht dabei nicht um Vergleich, sondern, mit Édouard Glissant gesprochen, um die Transversalität des Kolonialismus: um Verflechtungen, Querbezüge und Resonanzen.

Eine zentrale Frage bleibt: Wie konnte ein gesellschaftliches Phänomen, das unsere Gegenwart bis heute prägt, so lange verschwiegen werden? Das Erinnerungskonzept antwortet darauf, indem es unterschiedliche Wissenskanons in Austausch bringt und Raum für neue Narrative öffnet. Erinnern wird hier als Praxis verstanden: als Prozess des Zuhörens, des In‑Beziehung‑Tretens und des Aushaltens von Widersprüchen.

Kolonialismus erinnern ist kein abgeschlossener Akt. Es ist bewegliches Denken und Handeln. Oder, mit Achille Mbembe gesprochen, eine Praxis der Beziehung zur Geschichte, zu Anderen und zur Welt. Am Ende geht es um zwei Dinge: um Zuhören und um Aushalten.

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Speaker and panelist: Iolanda Évora

Die Aushandlung von Staatsbürgerschaft und zivilgesellschaftlicher Teilhabe in Portugal vollzieht sich vor dem Hintergrund politischer Mythologien einer sanften und wohlwollenden Kolonisierung, die einerseits die Prozesse und Kämpfe um die Unabhängigkeit der ehemaligen afrikanischen Kolonien sowie deren Beitrag zu den Veränderungen in der ehemaligen Kolonialmacht außer Acht lässt – wie etwa die Nelkenrevolution, die wir in diesem Moment feiern, da wir uns am Vorabend des 25. April befinden. Zugleich werden die Mythologien über Afrika (und die Befreiungskämpfe) sowie über Portugal (und seine zeitgenössische Gesellschaft) ignoriert, die heute von Afrikaner*innen und ihren Nachkommen in Portugal vielfach aufgegriffen und repräsentiert werden.

In der Vergangenheit brachte die Verpflichtung auf die politische Utopie der portugiesischen Wohlwollen­heit (sowohl in der Kolonialzeit als auch nach den Unabhängigkeiten) eine politische Kultur hervor, die auf einer paternalistischen Beziehung sowohl zu den ehemaligen Kolonien als auch zu den Schwarzen Menschen in Portugal beruhte. Diese Kultur, die die Ausübung der Staatsbürgerschaft dieser Bevölkerungsgruppe in der ehemaligen Kolonialmacht einschränkte, wird nun jedoch zunehmend von den Protagonist*innen einer Staatsbürgerschaft angefochten, die sich im Widerstand konstituiert und das Wort als Form der öffentlichen Intervention annimmt. In den letzten Jahren treten die Afro-Nachkommen unter diesen Protagonist*innen besonders hervor, und ihre Praktiken und Produktionen müssen berücksichtigt werden, wenn man allgemein die Natur des Wortes in der öffentlichen Sphäre verstehen will, das es ermöglicht, die Macht herauszufordern. Oder auch, wenn man verstehen will, auf welche Weise der Gebrauch des Wortes durch diese Protagonist*innen Transformationsprozesse in den Weltdefinitionen (vom Land aus betrachtet) und der zeitgenössischen portugiesischen Gesellschaft widerspiegelt.

Ohne die laufenden Prozesse außer Acht zu lassen, an denen verschiedene Akteur*innen in ihren sozialen Feldern und in ihren Lebensdynamiken beteiligt sind, ist es wichtig, den Beitrag der Afro-Nachkommen/Afroportugies*innen zu dem hervorzuheben, was als eine diskursive Wende hinsichtlich des portugiesischen Kolonialismus (und seines zeitgenössischen Ausdrucks) betrachtet werden kann – nicht bloß eine Wende des Fokus im Denken (oder in den Ideen), sondern, viel tiefgreifender, eine Verschiebung des Fokus auf die Sinnproduktion (la parole). 

Das Feld der Erinnerungspraktiken ist für dieses Unterfangen besonders aufschlussreich, insofern sie sich für Verhandlungen über Interpretationen und Sinngzuschreibungen an nationale Symbole anbieten. Doch hier betreten wir das Feld der Schwierigkeiten, da sich solche Erinnerungspraktiken (und ihre althergebrachten Hüter*innen) als besonders resistent gegenüber den Interpretationen und Sinnzuschreibungen anderer, nicht-hegemonialer, aber zunehmend präsenter und fordernder Gruppen erweisen.

So argumentieren diese im öffentlichen Raum: dass der 25. April 1974 auch durch die Unabhängigkeitskämpfe in Afrika ermöglicht wurde; sie hinterfragen die Neugestaltung des Praça do Império bei den Jerónimos mit der Wiederaufstellung der Kolonialwappen im Jahr 2023, in Anwesenheit und mit Zustimmung des damaligen Staatspräsidenten; sie stellen die Existenz des Themenparks „Portugal dos Pequenitos" in Coimbra in Frage, dessen Pavillons das imperiale Portugal repräsentieren, das „der Welt Welten gab", unter anderem mit seinen riesigen Statuen, die halbnackte Schwarze Frauen und Schwarze Männer darstellen, mit rot bemalten Haaren und Lippen in grellem Rot und übertriebenen Gesichtszügen; oder sie fordern die Behörden auf, die seit 2015 von der Lissabonner Stadtversammlung beschlossene Resolution zur Errichtung eines Sklaverei-Mahnmals umzusetzen.

Parallel dazu – und als Antwort – werden die großen Erzählungen über das koloniale Unternehmen verstärkt, und man versucht, die nostalgische Rückwendung zu bestätigen, die die Erzählung jener Zeit, die die glorreiche Nation prägte, nie verlassen hat. Angesichts dieser neuen Blicke, die die Anerkennung der dem kolonialen Akt innewohnenden Gewalt und Entmenschlichung fordern, wird institutionell versucht, die Bedeutungen der nationalen Symbole zu bekräftigen und eine Erinnerung unversehrt zu bewahren. So will man das Unbehagen einer historischen Auseinandersetzung vermeiden, die die conditio sine qua non für die Förderung von Gleichheit und Staatsbürgerschaft für alle in Portugal wäre.

Doch die Verleugnung, die Romantisierung und das Bestreben, die Symbole und Erinnerungspraktiken zu perpetuieren, treffen auf Erzählungen und Schöpfungen, die keine bloßen Gegen-Erzählungen sind, denn sie konstituieren sich an den Rändern (der großen Narrative), aber im Herzen der Situation. In diesem Fall zirkulieren die Erinnerungen auf andere Weise (mündlich, durch Musik, Poesie usw.), und die Praktiken, die sie übermitteln, sind dynamisch und in ständiger Bewegung. Vor allem sind es Erinnerungen, deren Übermittlung, Bewahrung und Erhaltung sich vor dem Hintergrund des politischen Kampfes vollzieht. So ist es möglich – in dem Maße, wie diese neuen Protagonist*innen in Portugal Symbole umdeutend hinterfragen und sie mit anderen Aussagen verknüpfen –, auf eine starre, rigide und unveränderliche Bewahrung zu verzichten und stattdessen zu gewährleisten, dass die Erinnerung lebendig bleibt und Teil des Kampfes gegen wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten sowie gegen Rassismus ist. 

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Speaker and panelist: Ibou Diop

Prática da memória na era pós-colonial

Como podemos recordar algo que não está presente na história das mentalidades da sociedade majoritária? Essa questão está no centro de toda reflexão sobre memória na era pós-colonial. Pois as memórias não estão simplesmente dadas. Elas permanecem, desaparecem, são reconhecidas ou reprimidas. Impõem-se ou são silenciadas.

As memórias são aquilo que permanece quando o presente já passou, quando as situações das quais surgiram parecem há muito desaparecidas. E porque, numa sociedade, não existe apenas uma memória, mas muitas, aquilo que é oficialmente lembrado nunca é neutro. É resultado de negociações sociais e expressão de relações de poder. A memória remete sempre também a autoimagens, desejos e anseios, a ideias sobre quem “nós” fomos e quem “nós” queremos ser.

As memórias de uma sociedade, portanto, não são inocentes. São construções, refletem hierarquias e não são simplesmente plurais. Pelo contrário, fazem emergir as perspectivas que historicamente conseguiram se impor, enquanto outras foram marginalizadas ou apagadas. Isso explica por que, durante muito tempo, as políticas de memória excluíram numerosas perspectivas, embora essas perspectivas fizessem parte da sociedade - e ainda façam até hoje.

Hoje, não se trata de julgar moralmente esse passado de forma retroativa. O essencial é que nós, enquanto sociedade que somos hoje, olhemos criticamente para essas políticas de memória e, a partir disso, derivemos que futuro queremos construir e em que mundos desejamos viver. Trata-se de ler a própria história de outra maneira. Desenvolver uma interpretação que não apague a história da destruição de outras culturas e sociedades, mas que a compreenda como parte integrante da história.

Essa destruição culminou, na Europa, na Shoah e no assassinato de opositores políticos e de outros grupos perseguidos pelo nacional-socialismo. Mas ela teve antecedentes. Não começou apenas em 1933. Suas formas preliminares encontram-se no tratamento dado às pessoas pobres e com deficiência, aos judeus e judias, às pessoas queer e, não menos importante, nos crimes coloniais cometidos também pela Alemanha. Recordar o colonialismo exige, portanto, questionar essas tradições de pensamento desumanizantes, não apenas historicamente, mas explicitamente em sua relevância para o presente.

O conceito de memória da história colonial de Berlim parte exatamente desse ponto. Ele compreende o colonialismo não como um tema periférico nem como um breve episódio, mas como um elemento estrutural da história alemã. Que a história colonial alemã faz parte da história da Alemanha parece, à primeira vista, evidente. Ainda assim, durante décadas ela foi percebida como menos central. No entanto, está intimamente ligada ao genocídio e deixou marcas profundas na história das mentalidades. Marcas que continuam visíveis até hoje: nos nomes de ruas, nas coleções museológicas, nos currículos escolares e nas imagens sociais do mundo.

A Europa, como potência colonial, balcanizou a África. Fronteiras traçadas arbitrariamente separaram sociedades e espaços linguísticos, criaram novas ordens políticas e destruíram estruturas sociais existentes. Esse sistema de dominação colonial aprofundou conflitos, intensificou traumas e continua a produzir efeitos até hoje. Muitos conflitos atuais no continente africano não podem ser compreendidos sem essa história colonial. Superar as feridas da era colonial não significa fechá-las ou apaziguá-las, mas tornar visíveis as interdependências globais nas quais as sociedades anteriormente colonizadas continuam inseridas até hoje.

Berlim ocupa um papel particular nessa história. Foi ali, entre 1884 e 1885, que a África foi dividida entre as potências europeias. Essa ordem foi precedida pela escravização, pela exploração e pela destruição de mundos inteiros de vida. Ela foi legitimada por ideologias racistas que se apresentavam como ciência e hierarquizavam os seres humanos. Essa escrita da história continua atuando até hoje. Ainda vivemos num mundo em que pessoas negras e corpos negros são sistematicamente desvalorizados, com consequências muito concretas para o cotidiano de pessoas negras e BIPOC - também, e especialmente, na Europa.

Por isso, o conceito berlinense de memória propõe reler a história da cidade. Não se trata de comparação, mas, como dizia Édouard Glissant, da transversalidade do colonialismo: das interconexões, dos cruzamentos e das ressonâncias.

Uma questão central permanece: como um fenômeno social que ainda molda nosso presente pôde ser silenciado por tanto tempo? O conceito de memória responde a isso colocando diferentes cânones de conhecimento em diálogo e abrindo espaço para novas narrativas. A memória é compreendida aqui como prática: como um processo de escuta, de entrar em relação e de suportar contradições.

Recordar o colonialismo não é um ato concluído. É um pensar e agir em movimento. Ou, nas palavras de Achille Mbembe, uma prática de relação com a história, com os outros e com o mundo. No fim, trata-se de duas coisas: escutar e suportar.

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Speaker and panelist: Iolanda Évora

A negociação da cidadania e da participação cívica em Portugal faz-se sob o pano de fundo de mitologias políticas de uma colonização soft e benevolente que, por um lado, desconsidera os próprios processos e lutas pelas independências das ex-colónias africanas e sua contribuição para as transformações na ex-metrópole, como é o caso da Revolução dos Cravos que comemoramos neste momento em que estamos às vésperas do dia 25 de Abril. Ao mesmo tempo, ignoram-se as próprias mitologias sobre África (e as lutas de libertação) e sobre Portugal (e a sua sociedade contemporânea) amplamente retomadas e representadas na atualidade pelos africanos e seus descendentes em Portugal. 

No passado, o compromisso com a utopia política da benevolência portuguesa (tanto no período colonial como pós-independências) produziu uma cultura política baseada numa relação paternalista tanto com as ex-colónias como com os negros em Portugal. No entanto, essa cultura que reduziu o exercício da cidadania dessa população na ex-metrópole é agora crescentemente contestada pelos protagonistas de uma cidadania que está a ser constituída na resistência e que adota a palavra como forma de intervenção pública. Nos últimos anos, os afrodescendentes ganham destaque entre tais protagonistas, e suas práticas e produções devem ser consideradas se se pretende compreender, de modo geral, a natureza da palavra na esfera pública, que permite interpelar o poder. Ou, ainda, se se pretende entender de que maneira o uso da palavra por esses protagonistas reflete processos de transformação nas definições de mundo (visto a partir do país) e da sociedade portuguesa contemporânea. 

Sem desconsiderar os processos em curso que envolvem diversos atores em seus campos sociais e nas suas dinâmicas de vida, é importante indicar a contribuição dos afrodescendentes/afroportugueses no que pode ser visto como uma virada discursiva a propósito do colonialismo português (e sua expressão contemporânea), não meramente uma virada do foco no pensamento (ou nas ideias), mas, muito mais profunda, uma mudança do foco na produção de sentidos (la parole).

O campo das práticas de memória é particularmente esclarecedor desse empreendimento, na medida em que elas se oferecem a negociações de interpretações e atribuições de sentido a símbolos nacionais. Mas é aqui que entramos no campo das dificuldades, uma vez que tais práticas de memória (e seus guardiões de sempre) se mostram particularmente resistentes às interpretações e atribuições de sentido de outros grupos, não hegemónicos, mas cada vez mais presentes e reivindicativos.

Assim é que, estes, no espaço público: argumentam que o 25 de Abril de 1975 também se fez a partir das lutas pelas independências em África; questionam a requalificação da Praça do Império, nos Jerónimos, com a recolocação dos brasões coloniais, em 2023, com a presença e anuência do próprio presidente da República na época; contestam a existência do parque temático Portugal dos Pequenitos, em Coimbra, cujos pavilhões representam o Portugal Imperial que “deu mundo aos mundos”, entre outros, com as suas estátuas enormes a representar mulheres negras seminuas e homens negros, com cabelo e lábios pintados de vermelho berrante, feições exageradas; ou interpelam as autoridades que não cumprem uma resolução sobre a criação do Memorial da Escravatura aprovado em assembleia municipal, em Lisboa, desde 2015. 

Em paralelo, e como resposta, são reforçadas as narrativas grandiosas a propósito do empreendimento colonial e procura-se confirmar a volta nostálgica que nunca abandonou o relato desse tempo que moldou a nação gloriosa. Perante estes novos olhares que reivindicam o reconhecimento da violência e desumanização próprias do ato colonial, institucionalmente busca-se reafirmar os significados dos símbolos nacionais e manter intacta uma memória. Pretende-se, assim, evitar o desconforto do enfrentamento histórico como condição sine qua non para a promoção da igualdade e da cidadania para todos em Portugal. 

No entanto, a negação, a romantização e o esforço em perpetuar os símbolos e as práticas de memória deparam-se com narrativas e criações que não são simples contra-relatos, pois, constituem-se nas margens (das grandes narrativas) mas no coração da situação. Neste caso, as memórias circulam de outra forma (oral, pela música, poesia, etc) e as práticas que as transmitem são dinâmicas e em constante movimento. Sobretudo são memórias cuja transmissão, conservação e preservação se fazem sob o pano de fundo da luta política. Assim, e na medida em que, em Portugal, estes novos protagonistas resignificam símbolos questionando-os e agregando-os a outros enunciados, é possível renunciar à preservação de forma fixa, rígida e imutável e, ao invés, garantir que a memória seja vivant e parte da luta contra as desigualdades económicas e sociais e contra o racismo.